Friedensverhandlungen und die “geheime Waffe” der EU: Die Möglichkeit der Beschlagnahmung von 200 Milliarden Euro an russischen Vermögenswerten
Die Europäische Union könnte einen entscheidenden Schritt unternehmen, um ihren Einfluss auf internationale Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine zurückzugewinnen. Laut Politico erwägt Brüssel die Beschlagnahmung eingefrorener russischer Vermögenswerte im Wert von rund 200 Milliarden Euro, die in europäischen Finanzinstituten lagern.
Warum erwägt die EU diesen Schritt?
Die Entscheidung der USA und Russlands, Kriegsverhandlungen ohne die Beteiligung von EU-Vertretern abzuhalten, hat in Brüssel für Unmut gesorgt. Der Gipfel in Riad war ein weiteres Zeichen dafür, dass Europa kein zentraler Akteur im Verhandlungsprozess ist. Als Reaktion darauf könnten europäische Staats- und Regierungschefs die sogenannte “nukleare Option” wählen – die vollständige Beschlagnahmung russischer Staatsvermögen, die als Reaktion auf die umfassende Invasion Russlands in die Ukraine eingefroren wurden.
Die wirtschaftlichen Einflussmöglichkeiten der EU
Anders als in den USA, wo sich nur etwa 5 Milliarden Euro an russischen Vermögenswerten befinden, wird der Großteil – rund 200 Milliarden Euro – in der in Brüssel ansässigen Finanzinstitution Euroclear verwahrt. Diese Gelder generieren bereits erhebliche Zinserträge, die zur Unterstützung der Ukraine genutzt werden könnten.
Die Umsetzung dieses radikalen Szenarios würde nicht nur die Verhandlungsposition der EU stärken, sondern auch die Kontinuität der finanziellen Unterstützung für Kiew sicherstellen, falls die US-Hilfe reduziert wird.
Wird dieses Szenario umgesetzt?
Beim G20-Gipfel in Südafrika diskutieren Finanzminister und Zentralbankchefs über die Möglichkeit, russische Gelder freizugeben und für die Ukraine zu verwenden. Die EU-Staaten sind jedoch in dieser Frage gespalten. Einige glauben, dass dieser Schritt den Einfluss Brüssels stärken würde, während andere wirtschaftliche und rechtliche Folgen befürchten.
Estlands Außenminister Margus Tsahkna betonte: “[Eingefrorene russische Vermögenswerte] könnten eine zentrale Alternative zur Unterstützung der USA werden. Wir haben in Europa 300 Milliarden Euro an russischen Vermögenswerten, und wir müssen sie nutzen.”
Angesichts wachsender Herausforderungen im Zusammenhang mit möglichen Änderungen der US-Außenpolitik sucht Europa nach Wegen, um eine stabile Unterstützung für die Ukraine zu gewährleisten. Ob die EU diesen beispiellosen Schritt geht, bleibt eine offene Frage, deren Antwort den Verlauf des Krieges verändern könnte.








